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StIF / Therapie und Beratung /

 
 
 

Klienteninformation

Sehr geehrte Interessentin, sehr geehrter Interessent, vielleicht befinden Sie sich gerade in einer Situation, in der Sie das Gefühl haben: „So geht es nicht weiter, irgendetwas muss sich verändern!“ Und obwohl Sie sich schon bemüht haben, das eine oder andere zu ändern, sind Sie nicht recht vorangekommen. Möglicherweise ist Ihnen da die Idee gekommen, sich Unterstützung von außen zu holen und eventuell eine Psychotherapie zu machen. Nur, welche? Eine Verhaltenstherapie? Eine Psychoanalyse? Eine Systemische Therapie oder eine Gesprächspsychotherapie? Es ist in der Tat sehr schwer, sich im Angebotsdschungel der verschiedenen Therapiearten zurechtzufinden.

Hierbei möchten wir Ihnen ein wenig helfen.

Zunächst einmal: alle wissenschaftlich anerkannten Psychotherapien können für Sie trotz aller Verschiedenheit gleichermaßen hilfreich und wirksam sein. Es führen bekanntlich viele Wege nach Rom. Und obwohl wir Systemische Therapeuten sind, können und wollen wir nicht behaupten, dass die Systemische Therapie (früher sprach man von „Familientherapie„) besser oder wirksamer als andere Therapien ist.

Allerdings unterscheidet sie sich in einem sehr wesentlichen Punkt von allen anderen seriösen Therapieformen: sie schaut nicht nur auf das, was in einem Menschen vorgeht, sondern vor allem darauf, was zwischen den Menschen geschieht, wie sie miteinander umgehen, wer wann auf wen wie reagiert, wie sie sich aufeinander beziehen und ihre Beziehung zueinander gestalten. Sie betrachtet die Regeln und Muster, die sich im Laufe der Zeit im Zusammenleben eines Paares oder einer Familie herausgebildet haben, und überlegt gemeinsam mit den Betroffenen, ob diese noch nützlich und hilfreich sind.

In der Systemischen Therapie arbeiten wir ressourcenorientiert, d.h. wir richten unser Hauptaugenmerk auf die Stärken und Fähigkeiten, die ein Mensch besitzt, und weniger auf seine Defizite oder Schwächen.

Wenn z.B. eine Familie zu uns kommt, weil eines ihrer vier Kinder in der Schule versagt, haben dann die Eltern wirklich versagt? Wieso waren dieselben Eltern mit ihrer Erziehung bei den ersten drei Kindern erfolgreich? Warum können die Eltern ihre erzieherischen Fähigkeiten, die sie ja zweifelsohne haben, beim vierten Kind nicht einsetzen? Und das Kind? Ist es wirklich ein Versager? Wieso gelingt es dem Kind, sich zweieinhalb Stunden am Gameboy zu konzentrieren, jedoch keine fünf Minuten im Englisch-Unterricht? Warum kann das Kind seine Konzentrationsfähigkeit, die es beim Gameboy ja beweist, nicht auch im Englisch-Unterricht einsetzen? Sowohl bei den Eltern als auch beim Kind kann es deshalb nicht darum gehen, ihnen irgendetwas beibringen zu wollen (das Erziehen oder das Konzentrieren) — denn das können sie ja schon — sondern vielmehr den Blick darauf zu lenken, warum beide nicht wie üblich ihre Fähigkeiten zum Einsatz bringen können.

Wir gehen davon aus, dass Menschen nicht bestimmte „feste“ Eigenschaften haben, sondern dass sie, abhängig vom jeweiligen Gegenüber, mal eher diese und mal eher jene Verhaltensweisen zeigen.

Beispielsweise verhält sich ein Mann (er ist Vorarbeiter oder Gruppenleiter) in seiner Firma sehr kompetent, selbstbewusst und durchsetzungsfähig. Zu Hause verhält derselbe Mann sich seiner Frau gegenüber sehr unsicher, zaghaft und fast wie ein Kind. Ist er nun selbstbewusst und durchsetzungsfähig oder unsicher und zaghaft?

Dasselbe Kind, das sich zu Hause tyrannisch und lärmend zeigt, verhält sich seinen Mitschülern gegenüber sehr ängstlich, schüchtern und weinerlich. Ist es nun tyrannisch und lärmend oder ängstlich und schüchtern?

Menschen erleben die Wirklichkeit sehr unterschiedlich, nämlich aus ihrer jeweiligen Perspektive, mit ihren Augen und ihren Gefühlen. Das heißt, in unseren Gesprächen kann es keine „objektive Wahrheit“ oder „Wirklichkeit“ geben, sondern nur subjektive Sichtweisen darüber. Jede einzelne subjektive Sichtweise verdient den gleichen Respekt und hat die gleiche Wichtigkeit.

Menschen beeinflussen sich in ihrem Verhalten ständig gegenseitig. Wenn ich z.B. möchte, dass mein Partner seine Socken nicht im Bad auf dem Boden liegen lässt, sondern diese wegräumt, könnte ich zu ihm in freundlichem Ton sagen: „Schatz, könntest Du bitte so lieb sein, noch schnell die Socken wegzuräumen?“ Oder ich könnte sagen: „Du hast schon wieder die Socken liegen lassen. Das ist typisch für Dich!“ Ich könnte auch sagen: „Wenn Du nicht sofort Deine dreckigen Socken wegräumst, werde ich am Wochenende nicht mit zu Deiner Mutter fahren!“ Abhängig davon, mit welchem Tonfall ich was sage und mit welcher Gestik oder Mimik ich meine Worte begleite, werde ich unterschiedliche Gefühle, Reaktionen und Verhaltensweisen beim Partner auslösen können. Ich kann somit das Verhalten des anderen mitsteuern, genau wie dieser dann mit seiner Reaktion mein weiteres Verhalten beeinflusst und mitsteuert, woraufhin ich mit meiner nächsten Reaktion wiederum seine nächste Reaktion mitsteuere.


Für wen ist Systemische Therapie?

 

Für Einzelpersonen, Paare und Lebensgemeinschaften, für Familien, Stieffamilien, Ein-Eltern-Familien und Großfamilien. Gemeinsam mit ihnen überlegen wir, wer an dem jeweiligen Problem beteiligt oder davon betroffen ist, und wer mit dazu beitragen könnte, möglichst schnell eine Lösung zu erarbeiten und diese dann umzusetzen.

 

Welche Probleme oder Krankheiten kann man mit Systemischer Therapie lösen oder behandeln?

 

Grundsätzlich fast alle. Zu uns kommen Menschen mit Paar- oder Familienkonflikten, mit sexuellen Schwierigkeiten, mit Ängsten, Phobien und Depressionen, mit Magenbeschwerden, Allergien, Schlafstörungen und Migräne, mit mangelndem Selbstwert, mit Erfahrungen von sexuellem Missbrauch oder körperlicher Gewalt, mit Abhängigkeit von Drogen oder Medikamenten, mit Erziehungsschwierigkeiten, mit Stottern und Zwängen, mit Ess-Störungen, usw.

 

Wie lange dauert eine Systemische Therapie oder Beratung?

 

Im (statistischen) Durchschnitt umfasst eine Systemische Therapie 15 Sitzungen. Manchmal reicht jedoch ein einziges Gespräch, manchmal sind 30 oder mehr Sitzungen erforderlich. Im Unterschied zu anderen Therapieformen finden in der Systemischen Therapie die Sitzungen in größeren Zeitabständen (dafür aber mit längerer Dauer) statt, in der Regel in einem zwei- bis vierwöchigen Rhythmus — d.h. die Sitzungen erstrecken sich auf einen Zeitraum von etwa einem Jahr. Eine Therapiesitzung dauert meist 90 Minuten. In „Behandlungseinheiten“ umgerechnet (dieser Begriff wird von den Krankenkassen und anderen Kostenträgern benutzt — eine Behandlungseinheit entspricht 50 Min.), dauert eine Therapiesitzung im Durchschnitt also 1,8 Behandlungseinheiten.


Was kostet eine Systemische Therapie oder Beratung?

 

Zur Zeit kostet eine Behandlungseinheit 80,- €, eine Sitzung 144,- €. Bei fünfzehn Sitzungen kostet also eine Systemische Therapie ca. 2.160,- €. Leider werden die Kosten für eine Systemische Therapie noch nicht von den deutschen Krankenkassen übernommen, obwohl dies schon in anderen Europäischen Ländern der Fall ist. Gleichwohl gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Möglichkeiten, einen Zuschuss zu erhalten. An den Kosten ist nach unserem Wissen noch keine Therapie gescheitert. Irgendein Weg lässt sich immer finden.

 

Wann finden die Sitzungen statt?

 

Ein Termin kann an jedem Wochentag vereinbart werden. Der früheste Termin beginnt um 9.00 Uhr, der späteste um 18.30 Uhr.

 

Wie erfolgt die Anmeldung?

 

Sollten Sie nach dem Lesen dieser Information entweder weitere Fragen haben oder sich anmelden wollen, so rufen Sie uns bitte an (0711-2991474), am besten von Montag bis Donnerstag zwischen 09.00 und 16.00 Uhr und Freitag von 09.00 – 13.00 Uhr. Unsere Sekretärinnen, Frau Wilfert und Frau Kliese, werden gern Ihre Fragen beantworten oder mit Ihnen ein kurzes Aufnahmegespräch führen.

 

Wie lange ist die Wartezeit?

 

Anhand des Aufnahmebogens, der im Rahmen des kurzen Aufnahmegesprächs mit Ihnen ausgefüllt wird, klären wir im Therapeutenteam, wer Sie zurückruft, um mit Ihnen einen Termin zu vereinbaren. Dabei bemühen wir uns, Sie innerhalb von drei Wochen zurückzurufen. Sollten Schulferien dazwischen liegen, kann sich diese Zeit entsprechend verlängern.

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

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