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von Foerster / Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners

Heinz von Foerster, Bernhard Pörksen:

Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners
- Gespräche für Skeptiker

Heidelberg, Carl-Auer-Verlag, 1998

Zusammengefasst von S. Eitel, B. Nitsch-Rehn, J. Sänger, M. Stahl, K. Rössle, 2007

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Buchinhalt:

Das vorliegende Buch stellt ein Gespräch zwischen dem Journalisten und Juniorprofessor für Journalistik und Kommunikationswissenschaft, Bernhard Pörksen und dem Physiker und Erkenntnistheoretiker Heinz von Foerster dar.

Ist die Wirklichkeit wirklich, die Wahrheit wahr? Was ist Erfindung und was ist Realität? – das sind die übergeordneten Themen, um die es in dem Gespräch der beiden geht. Mit Hilfe der durchaus auch kritischen und vor allem rationalen Fragen von Pörksen und Foersters ausführlichen und breit angelegten Antworten erschließen sich für den Leser die Gedanken und Ideen der Erkenntnistheorie, die heute unter der Bezeichnung „Konstruktivismus“ bekannt ist und die Heinz von Foerster stark mitgeprägt hat.
 
In insgesamt fünf Kapiteln beleuchten die beiden in ihrem Gespräch die Facetten und Konsequenzen dieser Denkrichtung, die der systemischen Sichtweise zugrunde liegt.

Zunächst beschäftigen sich Foerster und Pörksen in ihrem Gespräch mit den „Bildern des Wirklichen“ (Kapitel 1). Hier werden die biologisch-physiologischen Erkenntnisse über die menschliche Wahrnehmung beleuchtet, die dem Konstruktivismus zugrunde liegen. Augrund dieser Erkenntnisse könne man nicht mehr von der einen Wahrheit sprechen, sondern von vielen. In seinen Ausführungen zur Wahrheit zeigt Foerster dem Leser immer wieder auf, welche Bedeutungen und Folgen mit einer solchen absoluten Definition, wie z.B. „Wahrheit“, verbunden sind und wehrt sich ganz allgemein gegen Definitionen und alle festschreibenden Etiketten.  Wie stark Foerster sich gegen allgemeine Definitionen wehrt, zeigt Kapitel 3, „Kybernetik“. Auch hier bekommt der Leser den Begriff „Kybernetik“ nicht erklärt/definiert, sondern die Grundgedanken, Annahmen und Beispiele berichtet.

Während im ersten Kapitel die Idee des Konstruktivismus theoretisch behandelt und hergeleitet wird, wird im zweiten und fünften Kapitel Bezug auf die Praxis genommen. Foerster zeigt auf, wie die konstruktivistische Weltanschauung die Bereiche Pädagogik, Psychotherapie, Management und Kommunikation beeinflussen kann und leitet ethische Konsequenzen, die sich aus dieser Denkrichtung ergeben, her.

Kapitel 4 stellt einen biographischen Exkurs zum Leben von Heinz von Foerster dar und gibt Einblicke in das bewegte Leben des 1911 geborenen und 2002 verstorbenen Denkers.

Bewertung:
Schon aufgrund seines nicht ganz gewöhnlichen Aufbaus, einem niedergeschriebenen Gespräch, erschließt sich das Buch dem Leser anfangs nur schwer. Das Thema des Buches, die Philosophie des Konstruktivismus, ist auch keine leichte Kost.
Wer aber die Lust hat, sich einzulesen und nicht beim ersten „nicht-sofort-verstehen“ aufgibt, dem erschließt sich eine interessante Lektüre. Ein Buch, mit dem einem die Weltanschauung des Konstruktivismus und deren Bedeutung näher gebracht wird und mit dem sich das eigene Denken (ein wenig) öffnet und weitet. Auch wenn man vielleicht nicht alles versteht.

 

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

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