Zurück   Drucken

StIF / Systemische Methode / Buchbesprechungen /

 
 
 

Ruf / Systemische Psychiatrie

Gerhard Dieter Ruf

Systemische Psychiatrie
Ein ressourcenorientiertes Lehrbuch

Stuttgart: Klett-Cotta, 2005

Zusammengefasst von Bernd Roedel, 2006
___________________________________________________________________________


„Systemische Psychiatrie“ ist ein Buch, das sich an alle Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter wendet, die im psychiatrischen oder sozialpsychiatrischen Feld therapeutisch arbeiten, sei es im stationären, teilstationären oder ambulanten Bereich.

Der Autor – selbst ein niedergelassener Psychiater –  führt in komprimierter Form in die Grundlagen der systemischen Therapie ein, um sich dann den verschiedenen psychischen Störungsbildern zuzuwenden. Hierbei definiert er zunächst die entsprechende Symptomatik, beschreibt dann, wie sich das  jeweilige Symptom auf der (neuro)biologischen Ebene zeigt, wie auf der psychischen und wie auf der sozialen Ebene. Anschließend folgt jeweils eine Betrachtung des Symptoms unter dem Aspekt der „(Be-)Handlung“: was ist zu tun oder was kann getan werden in Bezug auf den – wie er es nennt -´normativen Kontext´, den ´Krankheitskontext´ und den ´Problemlösekontext´.

Ruf schreibt, dass es im normativen Kontext um gesellschaftlich vorgegebene Normen, Richtlinien und gesetzliche Vorgaben geht (Begutachtungen bei Arbeitsunfähigkeit, Behinderungen, Rentenanträgen, Feststellung der Notwendigkeit einer Betreuung oder Fremdunterbringung, Begutachtung der Schuldfähigkeit bei Straftaten etc.). Handlungen im normativen Kontext haben somit keine therapeutische Zielsetzung.

Handlungen im Krankheitskontext „erfolgen unter der Annahme, die Störung des Patienten beruhe auf einem Defizit im körperlichen oder psychischen bereich. Sie umfassen damit unterstützende und das angenommene Defizit ausgleichende biologische (z.B. Medikamente) oder soziale Maßnahmen (z.B. unterstützende Gespräche oder Trainingsprogramme).“ Im Krankheitskontext gehe es um Zustandsveränderungen, aber nicht um Veränderungen des Systems. Folglich bestünde das Behandlungsangebot darin, dem Patienten mithilfe von Medikamenten oder entlastenden Gesprächen sein Leiden zu erleichtern.
Falls der Patient jedoch lernen möchte, mit der Belastung oder deren Auslöser besser umzugehen, könne man ihm therapeutische Gespräche (dann im Problemlösekontext) anbieten.

Im Problemlösekontext geht es darum, die Muster und Strukturen, die das Problem hervorrufen oder es aufrechterhalten, zu stören oder zu verunmöglichen, um Übergänge zu „neuen und für das gegenwärtige Leben besseren Strukturen“ möglich zu machen. Denn nur so könnten ´Veränderungen zweiter Ordnung´ entstehen.
In diesen Abschnitten stellt der Autor jeweils anhand zahlreicher Fallbeispiele aus seiner eigenen Praxis diverse systemische Interventionen vor, die für das jeweilige Symptom nützlich sein können.

Durchweg überlässt er es seinen Patienten, ob sie ihr psychisches Problem lieber im ´Krankheitskontext´ oder im ´Problemlösungskontext´ behandelt haben möchten. Genauso lässt er dem Leser die Wahl, in welchem Kontext er tätig werden möchte. In beiden Fällen versucht er, nichts aufzuzwingen. Er will auch nicht missionarisch tätig sein. Aber er zeigt immer eine weitere Perspektive – eben die systemische – auf, gewissermaßen als Angebot und als andere Möglichkeit.

Ich würde mir wünschen, dass viele – vor allem junge – Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, die im psychiatrischen und psychotherapeutischen Bereich arbeiten, dieses Buch lesen und es des weiteren als Handbuch bei der Behandlung ihrer Patienten einsetzen. Vielleicht würden sie dann mehr und mehr Lust bekommen, Probleme zu lösen anstatt sie aufrechtzuerhalten.

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

Zurück   Drucken   Nach oben