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Rotthaus / Wozu erziehen?

W. Rotthaus: 

 
Wozu erziehen?

Entwurf einer systemischen Erziehung


Heidelberg: Carl-Auer-Systeme, 2002, 4. Auflage


Zusammengefasst von Brigitte Grimm, Kerstin Kaden-Brendel, Romana Mager, 2005
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KURZZUSAMMENFASSUNG
Im ersten Teil des Buches beantwortet Rotthaus die Frage, warum erziehen auch heute noch notwendig ist. Nach einem geschichtlichen Überblick entwickelt Rotthaus die These, dass sich die Sichtweisen und der gesellschaftliche Kontext verändert haben, auf Erziehung aber nicht verzichtet werden kann.
Im zweiten Teil geht Rotthaus der Frage nach: was ist Erziehung? Er versucht den systemischen Ansatz für die Erziehung nutzbar zu machen. Rotthaus macht deutlich, welche Haltung und Einstellung gegenüber dem Kind die systemische Sichtweise fordert und beschreibt die Konsequenzen für die Erziehung.
Im dritten Teil gibt Rotthaus eine Antwort auf die Frage: wozu erziehen? Er stellt die Forderung nach einem Verzicht auf moralische Werte und Normen zugunsten einer ethischen Orientierung menschlichen Handelns als Ziel von Erziehung.

ÜBER DEN AUTOR
Wilhelm Rotthaus, Dr. med., ist ärztlicher Leiter des Fachbereichs Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Rheinischen Kliniken Viersen; Ausbildung in klientenzentrierter Gesprächstherapie, klientenzentrierter Spiel-therapie, Systemtherapie. Buchveröffentlichungen u.a.: „Psychotherapie mit Jugend-lichen“, „Erziehung und Therapie in systemischer Sicht“, „Stationäre systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie“, „Systemische Kinder- und Jugendlichen-psycho-therapie“. (Rotthaus, Buchumschlag)

PERSÖNLICHE BEURTEILUNG DES BUCHES
Rotthaus betrachtet in dem vorliegenden Buch den Prozess der Erziehung unter systemischen Gesichtspunkten und versucht, den systemischen Ansatz für die Erziehung nutzbar zu machen. Es ist ein theoretisches Buch, in dem er wenig konkret wird und keine praktischen Beispiele gibt. Dennoch ist das Buch nicht „trocken“, sondern geprägt durch den vielfachen Hinweis auf ideenreiches und respektvolles Miteinander und deren wechselseitige Auswirkung. Es handelt sich also nicht um einen Erziehungsratgeber, Rotthaus entwickelt vielmehr eine Grundhaltung für das Zusammenleben von ErzieherIn und zu Erziehendem. Diese Grundhaltung ist geprägt von Respekt gegenüber dem anderen und der Erkenntnis, dass das Gegenüber sich nicht direkt ändern lässt, aber eigene Verhaltensänderungen Rückwirkungen auf das System haben.
Durch die Offenheit des Buches kann man das Gelesene auch auf das Zusammenleben in anderen sozialen Kontexten übertragen.
Es handelt sich um ein Fachbuch für Leute, die beruflich mit Kindern zu tun haben, aber es ist auch für Eltern geschrieben, die weniger einen Erziehungsratgeber als Reflexionsanreize suchen, zudem es ist auch allgemein für Personen lesenswert, die interessiert sind an einer systemischen Sichtweise in sozialen Kontexten.
Das Buch ist, auch wenn es ein theoretisches Buch ist, sprachlich einfach zu lesen. Da Rotthaus den Erziehungsprozess aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, enthält es – besonders im zweiten Teil – viele Wiederholungen, was das Buch beim oberflächlichen lesen etwas verwirrend, teilweise langatmig macht.

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

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