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Minuchin / Psychosomatische Krankheiten

Salvador Minuchin:


Psychosomatische Krankheiten in der Familie

Stuttgart: Klett-Cotta, 1981

Zusammengefasst von B. Blessing, U. Mohr, M. Pabst, M. Wippermann, 2006
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1. Buchinhalt

Das Buch beschreibt die Vorgehensweise der strukturellen Familientherapie bei psychosomatischen Krankheiten, vorrangig am Beispiel der Anorexia nervosa.

Zunächst werden Unterschiede in den theoretischen Annahmen dargestellt, z.B. linearer vs. systemischer Ansatz, medizinisches Modell, psychodynamisches Modell, verhaltensmodifizierendes Modell.
Dabei wird festgestellt, dass die linearen Ansätze den Symptomträger in den Mittelpunkt stellten, ohne jedoch tatsächlich die Familien mit in die Untersuchungen oder die Therapie einzubeziehen.

Einem interdisziplinären Team um Salvador Minuchin gelang es Ende der 70er Jahre, einen Zusammenhang zwischen Symptomatik und Familientransaktionen nicht nur zu beleuchten, sondern zu beweisen. Mittels der „Familienaufgabe“ und einem familiendiagnostischen Interviews und deren Auswertung konnten die Interaktionen der Familienmitglieder sichtbar und objektiv bewertbar gemacht werden.

Bei den psychosomatischen Familien gehören die folgenden Merkmale zur normalen Interaktion:
Überfürsorglichkeit, Verstrickung, Konfliktvermeidung und -umleitung,  sowie Starrheit.
Diese Merkmale werden anschaulich erklärt und die Möglichkeiten eines therapeutischen ´Angriffs´ auf diese Verhaltensweisen aufgezeigt.

Es werden Familieninterviews von vier unterschiedlichen Familien transkribiert und mit Erläuterungen der Autoren zu ihrem therapeutischen Handeln vorgestellt.

Das Ergebnis der Familientherapie, die Minuchin anwendet, gerade bei PatientInnen mit Anorexia nervosa, ist signifikant besser als bisherige Ergebnisse anderer therapeutischer Ausrichtungen.

2. Bewertung

Das Buch erläutert ein Modell und erklärt es ausführlich anhand vieler Beispiele aus den vorgestellten Familien. Es gibt konkrete Anregungen zum Umgang mit Klienten/Familien mit den besprochenen psychosomatischen Krankheiten.

Das Buch ist von 1978 und daher nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit – es haben sich vor allem in der Familientherapie Weiterentwicklungen ergeben.
Es geht weniger generell um psychosomatische Krankheiten, als viel mehr um Anorexie. Teilweise sind die Ausführungen etwas unübersichtlich.

Insgesamt ist das Buch jedoch sehr lesenswert, durch die transkribierten Interviews und die Erläuterungen wird viel des therapeutischen Handelns klarer.

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

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