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Brandl-Nebehay; Hinsch / Paartherapie und Identität

Rezension zu: „Paartherapie und Identität – Denkansätze für die Praxis“ 

 

Autoren: Andrea Brandl-Nebehay & Joachim Hinsch (2010)

Verlag: Carl-Auer-Verlag, Heidelberg

 

Rezensentin: Elke Aliatakis, 2015

 

 

Das von verschiedenen Autoren geschriebene Buch, die fast alle am Wiener Institut für Ehe und Familientherapie arbeiten, will einerseits die Lebenswelt von Paaren und ihre Suche nach Identität aufzeigen, andererseits Anregungen für therapeutisches Handeln geben. Es wird dargestellt, welchen Einfluss die Änderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf die Identitätsfindung und damit auch die Ansprüche an Paarbeziehungen hat und welche vielfältigen Konflikte daraus entstehen. Dabei wird auch das Wechselspiel von Autonomie und Bezogensein im Leben von Paaren diskutiert.


Ein weiteres Kapitel setzt sich mit männlichen und weiblichen Identitäts-konstruktionen auseinander und verfolgt die Frage, inwieweit das paartherapeutische Handeln eventuell genau jene Beziehungsprobleme und Systeme stützt, die zu einer Therapie Anlass gegeben haben.


Im Kapitel „Grenzenlose Liebe“ wird die besondere Situation von Paaren beleuchtet, bei denen zumindest einer der Partner die Heimat verlassen und damit Entwurzelung und Fremdheit erfahren hat. Es wird aufgezeigt, welche besonderen Konflikte dadurch entstehen können und wie man im therapeutischen Gespräch den gesamten Erfahrungsraum dieser Paare erfassen kann.


Auch dem Fremdgehen wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Darin werden die Desorientierungs- und Neuorientierungsprozesse beschrieben, die betroffene Paare durchlaufen, und paartherapeutische Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt.


Das Kapitel „Macht... Gewalt... hilflos?“ setzt sich mit der Gewalterfahrung von Paaren auseinander, einem in der Literatur bisher wenig beleuchteten Thema. Die Autoren laden vor allem auch zu einer selbstreflexiven Auseinandersetzung im Umgang mit dem Thema Gewalt ein.


Im letzten Kapitel „Küchengespräche“ wird mit großer Offenheit erkundet, was Paartherapie bei Therapeuten und Therapeutinnen selbst auslöst, wie diese sich an der Schnittstelle zwischen therapeutischem Kontext und privaten Erfahrungen erleben und wie sie um eine professionelle Orientierung ringen. 

 

Das Buch ist nicht als Lehrbuch für Paartherapie zu verstehen. Die einzelnen Kapitel spiegeln sehr deutlich die verschiedenen Schwerpunkte und Ansichten der Autoren wider. Man kann eine Reihe von Denkanstößen und Anregungen finden, aber manches wird auch in epischer Breite und mit nicht immer nachvollziehbaren Schwerpunkten beschrieben und wirkt dadurch etwas langatmig. 

 

 

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

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