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Borst / Liebe und Gewalt in nahen Beziehungen

Rezension zu: „Liebe und Gewalt in nahen Beziehungen – Therapeutischer Umgang

                      mit einem Dilemma„


Autorinnen: Ulrike Borst u. Andrea Lanfranchi (2011)

Verlag: Carl-Auer-Verlag, Heidelberg

 

Rezensenten: Britta Graf, Hans-Martin Kögler, Annette Steigert, Valerija Wolf, 2015

 


Liebe und Gewalt liegen leider oft nah beieinander. Jeder Mensch hat  das Bedürfnis nach Liebe, Schutz und Nähe. Demgegenüber steht das Streben nach Herrschaft und Kontrolle. Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich nicht nur partnerschaftliche Beziehungen, sondern auch das Verhältnis von Eltern und Kindern. Liebevolle und aggressive Gefühle erzeugen Spannungsfelder, die nicht nur die betroffenen Paare oder Familien herausfordern, sondern auch die behandelnden Therapeuten.


Die zahlreichen Autoren des Buches (u.a. Inge Seiffge-Krenke, Karin Grossmann, Astrid Riehl-Emde, Cornelia Kranich, Franziska Schneiter, Bruno Greber, Ulrich Hildenbrand, Rahel Clement, Andrea Lanfranchi, Dagmar Pauli, Ingrid Hülsmann) verdeutlichen das Dilemma der therapeutischen Arbeit zwischen Verurteilen von Gewalt und dem Ermessen der oft dahinterstehenden Liebe und negativen Bindungen.

 

Im ersten Teil vermitteln sie grundlegende Gedanken zur Gewaltproblematik und beleuchten in wissenschaftsgestützten Analysen und Studien die Rollen von Vätern, Müttern, Söhnen, Töchtern und Paaren. Die Autoren fokussieren weniger die offensichtlichen Formen von Gewalt, sondern eher die Grenzüberschreitungen und Übergriffe im häuslichen Umfeld, aber auch in der Beratung und Therapie. Neben den Entstehungsbedingungen und den Erscheinungsformen problematischer, gewaltfördernder Muster liegt das Hauptaugenmerk auf den Hilfestellungen, die Therapeuten und Berater betroffenen Paaren und Familien geben können. An manchen Stellen wäre ein mehr therapeutischer Schwerpunkt allerdings wünschenswert.


Im  zweiten Teil richtet sich das Augenmerk noch stärker auf konkrete Instrumente und Methoden zu therapeutischen Interventionen. Die Autoren stellen Arbeitskonzepte der therapeutischen Praxis vor, etwa wie der Ausstieg aus destruktiven Mustern möglich wird, wer sich noch selbst helfen kann oder wann staatliches oder behördliches Eingreifen nötig ist.

 

Abschließend bietet das Buch einen differenzierten Blick auf erweiterte, gesellschaftliche Kontexte der Gewalt in Beziehungen. Integration, Armut, Entbehrung, häusliche Gewalt und selbst die Gewalt in therapeutischen Beziehungen werden thematisiert.  


Bemerkenswert ist das Ende des Buches: präzise Zusammenfassungen der Beiträge und unmissverständliche Appelle der Herausgeber Borst und Lanfranchi an alle Beteiligten vermitteln klare Botschaften, wie der Weg zu mehr Liebe und weniger Gewalt gelingen kann. 


Bei einer Skala von 1 (weniger gut) bis 5 (sehr gut) bewerten wir das Buch mit 3.5 Punkten.

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

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