Zurück   Drucken

StIF / Systemische Methode / Buchbesprechungen /

 
 
 

Asen/ So gelingt Familie

Datum : 08.11.2012

Literaturgruppe: Sarina Arnold u. Julia Klodt

 

Titel „So gelingt Familie – Hilfen für den alltäglichen Wahnsinn“

Autor: Eia Asen

Verlag: Carl Auer

 

„So gelingt Familie“ will

- einen Einblick in die therapeutische Arbeit mit Familien vermitteln,

- ermöglichen, eigene und andere Familien aus einer anderen Perspektive zu betrachten,

helfen, problematische Aspekte des Familienlebens zu erkennen und sich damit auseinanderzusetzen,

- ermöglichen, Knoten in Beziehungen aufzulösen,

helfen, innerhalb und außerhalb der Familie bessere Beziehungen aufzubauen.

 

Das Buch ist in neun Kapitel eingeteilt:

 

1. Was ist Familie?

2. Gewohnheiten und Überlebenstechniken

3. Familiäre Skripte verändern

4. Ein Paar werden: Verliebtheit und Partnerschaft

5. Von der Zweisamkeit zur Dreisamkeit: Das erste Kind

6. Monster zähmen: Familien mit kleinen Kindern

7.Wie man Teenagerterror verkraftet

8.Midlife – Eskapaden und Scheidungsmelodramen

9. Die Familie in Krankheit und Tod

 

Anhang mit Nachbemerkung, Danksagung u. nach Meinung des Verfassers hilfreiche Adressen

 

Das  Buch empfiehlt den Lesern zahlreiche Übungen, mit deren Hilfe Probleme erkannt und an der Lösung gearbeitet werden kann.

 

Was ist Familie und was bedeutet sie für uns?

In diesem Buch wird das Wort „Familie“ für alle Gruppen von Menschen verwendet, die sich verpflichtet fühlen, einander emotionale und körperliche Zuwendung angedeihen zu lassen.

In diesem Sinne können zu einer Familie auch Mitglieder der erweiterten Familie, enge Freunde und Partner zählen.

 

Verschiedene Kulturen haben unterschiedliche Vorstellungen darüber, was eine Familie ausmacht. Während in den meisten westlichen Gesellschaften Monogamie die Norm ist, dürfen Männer in einigen anderen Ländern durchaus mehrere Frauen haben. Auch in verschiedenen geschichtlichen Perioden wurde Familie sehr unterschiedlich gesehen.

Heute gibt es alle möglichen Familienformen, darunter unverheiratete Paare, alleinerziehende Eltern, Patchworkfamilien, kinderlose Paare, Kommunen sowie lesbische und homosexuelle Paare mit Kindern.

 

Es ist nicht möglich die Herkunftsfamilie abzuschütteln, sie ist in unserem Kopf stets bei uns. Keine Familie ist wie die andere. Wie jede Organisation hat auch jede Familie ganz spezielle Eigenschaften, sie hat bestimmte Regeln entwickelt, und in ihr besteht ein empfindliches Gleichgewicht, das durch viele Faktoren gestört werden kann, z.B. durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder das Hinzukommen oder Ausscheiden eines Mitglieds. Familien  versuchen besonders in Krisensituationen einen neuen Gleichgewichtszustand zu erreichen (z.B. bei Krankheit des Vaters/Hauptverdieners). Die Organisation einer Familie verändert sich im Laufe der Zeit, um mit äußeren u. inneren Belastungen fertig zu werden wie z.B. der Frontbildung (kann positive u. negative Auswirkungen haben).

Familien bestehen aus Einzelpersonen, die ihre eigene Sichtweise u. persönliche Vorstellung von der Wahrheit haben. Wenn wir auch alle anderen Standpunkte innerhalb unserer Familie sehen könnten, verliefe das Zusammenleben wesentlich friedlicher. Leider sind wir gewöhnlich auf eine bestimmte Sichtweise fixiert: unseren eigenen Standpunkt.

 

Übung „Vogelperspektive“:

 

ñ letzte Auseinandersetzung mit nahestehender Person erinnern

ñ sich vorstellen, man sei in der Vogelperspektive und betrachtet die Szene von oben

ñ Betrachten u. reflektieren: Wie wirkt das Geschehen? Welche Rolle spiele ich? Körpersprache? Stimmklang? Reaktion/Provokation?

ñ Das, was die Personen sagen u. tun nun in Beziehung zueinander setzen

ñ Wenn diese Übung einige Male durchgeführt wurde, dann beim nächsten Familienstreit darauf achten, wie sich die Situation für einen selbst möglicherweise verändert, wenn man sich in die Vogelperspektive versetzt

 

 

Das Ermitteln der Familienstruktur

 

Das Verstehen der Familienstruktur und Verhaltensmuster durch Perspektivenwechsel z.B. Diagramm der Familienbeziehungen als hilfreiches Instrument:

Mit Hilfe von verschiedenen Symbolen für Nähe, Distanz, Liebe, gemischte Gefühle usw. veranschaulicht das Diagramm, wer in der Familie die Macht inne hat, wer wen unterstützt u. wer nicht, zwischen welchen Mitgliedern die wichtigsten Konflikte stattfinden u. wer wem nahesteht. Somit hat man Informationen über die aktuellen Beziehungen innerhalb der Familie. Allerdings sagen sie nicht viel darüber aus, wie diese Beziehungen so geworden sind, wie sie sich im Diagramm darstellen. 

Darüber hinaus ist noch zu bedenken, dass solche Diagramme sehr subjektive Momentaufnahmen sind. Die gleiche Person zeichnet vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt ein völlig anderes Diagramm – beispielsweise wenn sie über ein bestimmtes Familienmitglied sehr wütend ist (Übung: Diagramm der eigenen Familie zeichnen, S. 19).

 

Wer ist wer in der Familie?

 

Mit Hilfe eines Familienbaumes kann man die gesamte Familiensituation erfassen.

(Übung: Familienbaum erstellen, mit Hilfe von Fragen Ähnlichkeiten, Unterschiede, Tabus, diverse Rollen herausfinden, S. 21).

 

In jeder Familie gibt es Mythen, Geheimnisse, Ängste, Allianzen, verschiedene Gewohnheiten und Überlebenstechniken.

Der Umgang mit Wutausbrüchen, Streitigkeiten, Handgreiflichkeiten, Notwendigkeit von Streit in manchen Familien, toxischen Allianzen ( z.B. Zwei gegen Einen, oder Einer zwischen Zweien), Sündenbockfunktionen, Herabsetzungen, Beziehungsfallen (z.B. Doppelbotschaften) u. gefährlichen Ratschlägen wird näher behandelt – auch wieder mit diversen Übungen zur Reflexion.

 

Familien perfektionieren ihre Skripte oft über Generationen. Sie vermitteln ihren Kindern ihre unreflektierten „Rezepte“ für alles u. jedes, angefangen von Erziehungspraktiken bis hin zum Umgang mit Beziehungen. Den meisten Menschen ist nicht so recht klar, dass viele ihrer Handlungen von einem feststehenden Skript gesteuert werden. Anhand von Übungen zeigt der Autor Möglichkeiten auf, sich zu reflektieren u. neue Skripte zu schreiben falls man das wünscht. Die Verknüpfung der Übungen (z.B Familienbeziehung im Diagramm darstellen, Mythen u. Geheimnisse der Familie ergründen, Rollenbestimmung in der Familie, Gewohnheiten erkennen u. beeinflussen, Standardaussagen verändern) ist hierbei das wesentliche Element dabei.

 

Das Leben in Familien durchläuft bestimmte Phasen, in deren Verlauf es zu vielen vorhersehbaren Krisen kommt. Wenn man über diese Phasen informiert ist, kann man einiges von dem, was geschehen wird, kommen sehen u. dementsprechend neue  Skripte entwickeln. Durch Proben von Alternativstrategien oder rechtzeitiges Ausweichen vor den sich ankündigenden Problemen lassen sich einige dieser typischen Familienkrisen vermeiden, oder zumindest lassen sich die Auswirkungen reduzieren.

 

Ein Paar werden: Verliebtheit u. Partnerschaft

 

An irgend einem Punkt in ihrem Leben sehnen sich die meisten Menschen danach, ihre Gedanken u. Gefühle mit einem Menschen außerhalb der Familie zu teilen, an dem ihnen besonders viel liegt; möglicherweise träumen sie davon sich zu verlieben u. einen Zustand vollkommener Einheit zu erreichen. Ganz gleich, in welcher Art Kultur man aufgewachsen ist oder welche sexuelle Orientierung man hat, die Entstehung einer Paarbeziehung  ist ein sehr dramatischer und auch positiv aufregender Prozess und das Wichtigste, was zum betreffenden Zeitpunkt im Leben der beiden Beteiligten geschieht.

 

Die Partnerwahl ist das Resultat vieler verschiedener Faktoren. Ganz gleich, was auf bewusster Ebene der Grund für unsere Verliebtheit sein mag, unser familiärer Hintergrund beeinflusst auf jeden Fall, ob und wie wir eine Beziehung aufbauen.

Wenn wir Beziehungen nicht generell ablehnen, neigen wir bewusst oder unbewusst dazu, uns Partner zu suchen, die uns helfen, mit Problemen fertig zu werden, die wir im Rahmen unserer Ursprungsfamilie nicht haben lösen können. Manchmal erfüllt die Partnerwahl eindeutig eine bestimmt Funktion. Beispielsweise will jemand auf diese Weise seinen Eltern signalisieren, dass er andere Wertvorstellungen und Ambitionen hat als sie.

 

Viele Menschen halten sich an das, was ihnen vertraut ist, und suchen sich deshalb einen Partner mit einem ähnlichen familiären Hintergrund, einem ähnlichen Beruf, ähnlichen Freunden und auch sonst möglichst vielen Ähnlichkeiten. Manche suchen sich sogar einen Partner, dessen Nase ihrer eigenen ähnelt: Vertrautheit wirkt beruhigend, erzeugt aber anderseits auch Geringschätzung oder Langeweile.

 

Partnerschaft aufbauen

 

Wenn zwei Menschen zusammenfinden, dann bringen sie „Gepäck“ aus ihrer Vergangenheit mit, das aus ihrer Ursprungsfamilie u. anderen wichtigen Quellen stammt. Dieses Gepäck reicht von Meinungen über Geschlechterrollen, allgemeinen Vorstellungen über das „richtige“ sexuelle Verhalten oder Nichtverhalten hin bis zu bestimmten Regeln über Hygiene und Ernährung. Solche Lasten können jedes Paar bedrücken. Sie können die Entwicklung einer Partnerschaft behindern, denn bei diesem Prozess müssen die Partner sich darüber klar werden, wovon sie sich lösen müssen, woran sie festhalten können und wollen und was sie sich in der Gegenwart neu zu eigen machen wollen.  

Die Partnerschaft stellt zwischen zwei Menschen gleichen oder unterschiedlichen Geschlechts und ihren jeweiligen Familiensystemen und Freundeskreisen eine Verbindung her. Das bedeutet auch, dass man mit dem Partner über konkrete Einzelheiten des Alltagslebens verhandeln muss (z. B. Ordnung, Wohnung, Freizeit, Geld, Sex, Kindererziehung, „ganz alltäglicher Wahnsinn“).

 

Das sesshaft werden und der Beziehung einen formellen Rahmen zu geben ist für viele Menschen ein Ergebnis von Partnerschaft. Das Eingehen einer Ehe führt zu Verpflichtungen, zu heiraten bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass man eine emotionale Abnabelung von der Ursprungsfamilie dadurch erwirkt. Wir fühlen uns unseren Ursprungsfamilien verbunden, was immer wieder zu Partnerkonflikten führen kann.

Mit Hilfe verschiedener Übungen schlägt der Autor vor, die emotionale Distanz und Abgenabeltheit zu untersuchen und zu bearbeiten.

 

 

Veränderungen in der Partnerschaft

 

Beziehungen verändern sich im Laufe der Zeit. Wenn nur einer der beiden Partner sich verändert, entsteht ein Ungleichgewicht, welches das Boot der Ehe zum Kentern bringen kann, wenn nicht daran gearbeitet wird es zu beseitigen.

Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten und Verhandlungen kommt es nicht selten vor, dass Paare ihre Beziehung auf „Autopilot“ laufen lassen. Das mag einerseits praktisch sein u. Abläufe reibungslos funktionieren lassen, andererseits birgt das die Gefahr, dass Beziehungen dadurch fad u. stereotyp werden können.

 

Das vage Gefühl, dass keineswegs alles in Ordnung ist, bringt manchmal einen der beiden Partner dazu, sich zu fragen, ob die eingespielten Rollen vielleicht allmählich fade und stereotyp werden. Gleichzeitig kann das auch eine Chance sein, Festgefahrenes zu verändern.

Über den Autor:

 

Eia Asen, Dr. med., FRC Psych., ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Facharzt für Erwachsenenpsychiatrie und -psychotherapie. Er studierte Medizin in Berlin u. arbeitet seit 35 Jahren in London.

Seit Anfang der 1980er- Jahre ist er auch  Familientherapeut. Er ist als Autor, Dozent und Produzent für familientherapeutische Themen tätig. Als Wissenschaftler ist er bekannt geworden mit Themen wie Paartherapie bei Depressionen, Multifamilientherapie bei Anorexie u. tagesklinische Behandlung von Jugendlichen.

 

Rezension Teil 1

 

„So gelingt Familie“ untersucht das Familienleben von der Geburt bis zum Tode, beschreibt viele Familienszenarien u. gibt praktische Ratschläge für die Überwindung schädlichen Rollenverhaltens. Außerdem erläutert das Buch, wie wir alten Skripten, die wir von unseren Eltern übernommen haben, eine neue Wendung geben können.Es stellt die Auffassung in Frage, dass wir Opfer unseres Schicksals sind, und empfiehlt den Lesern zahlreiche Übungen, mit deren Hilfe sie die Probleme erkennen u. an ihrer Lösung arbeiten können.

Die Beschriebenen Ideen sind als Anregung und nicht als konkrete Lösung gedacht.

Das Buch enthält Auszüge aus realen Fallgeschichten.

 

Insgesamt ist das Buch n.m. E. flüssig lesbar, leicht verständlich da die Sprache allgemeinverständlich gehalten ist. Daher ist das ein „Einsteigerbuch“  für Menschen, die sich mit ihrer eigenen Person und ihrer Familie beschäftigen möchten.

Es kann als Grundlage zum Verstehen der familientherapeutisch relevanten Themenfelder verstanden werden.

 

Rezension Teil: 2

Der Titel: So gelingt Familie: Hilfen für den alltäglichen Wahnsinn ist als Buchtitel sehr gut ausgewählt. Das Buch ist ein niedrigschwelliges Angebot für Familien mit leichten Konflikten. Diesen ermöglicht es einige „Aha- Erlebnisse“. Für Familien mit ernsthaften Problemen ist es jedoch zu oberflächlich geschrieben, da jedes Thema nur kurz angerissen wird. Schwerwiegende Themen, wie zum Beispiel Magersucht oder sexueller Missbrauch werden nur kurz abgehandelt, aber nicht angemessen Raum gegeben. Dadurch wirken sie als kein ernst zunehmendes Problem. Das Buch ersetzt somit keine Therapie.

Für Fachkräfte gibt es nur wenig Neues zu erfahren. Es eignet sich jedoch, aufgrund der vielen praktischen Beispiele als eine Art „Methodenkoffer“.

 

 

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

Zurück   Drucken   Nach oben