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Jellouschek / Die Paartherapie

Hans Jellouschek:

 

Die Paartherapie

Eine praktische Orientierungshilfe

 

Kreuz Verlag, Stuttgart, 2005

 

Zusammengefasst von Eric Lombert, 2012

 

 

 

Hans Jellouschek gibt mit diesem Buch „eine praktische Orientierungshilfe“ (so der Untertitel) für Paare, die vor der Frage stehen, ob sie mit ihren Problemen eine Paartherapie aufsuchen sollen.

 

Im ersten Kapitel geht Jellouschek zunächst auf  die Frage ein,  wer denn der „Patient“ in einer Paar-„Therapie“  sei (Antwort: die Beziehung),  und verweist gleich zu Beginn darauf, dass das Ziel einer  solchen Therapie/Beratung (er macht hier keinen Unterschied) nicht notwendigerweise der Erhalt einer Beziehung sein muss: Es kann am Ende auch darum gehen, diese Beziehung auf  „gute Weise“ zu beenden.

 

Anschließend  informiert  Jellouschek über den möglichen Ablauf einer Therapie, denkbare Settings, Anzahl und Dauer von Sitzungen, Kosten etc. sowie die notwenigen „inneren Voraussetzungen“ der beiden Ratsuchenden.

 

Es folgen  im selben Kapitel eine Begründung für das Phänomen, dass immer mehr Menschen eine  Therapie aufsuchen, ein kurzer historischer Abriss der Entwicklung der Paartherapie in Deutschland bis heute sowie eine Antwort auf die Frage, was Paare von „ihrem“ Therapeuten erwarten dürfen.

 

Das 2. Kapitel widmet  Jellouschek  der „Sichtweise der Paartherapie“, d. h.  zunächst  dem Grundsatz, dass es bei auftretenden Problemen weder Täter noch Opfer, weder Verursacher noch Leidtragende gibt, sondern solche Probleme immer zwei Beteiligte haben. Anschließend folgen noch Gedanken zum „Problem als Lösungsversuch“ und  als „Herausforderung zu Entwicklung“.

 

Den Hauptteil des Buches nimmt das 3. Kapitel ein: Der „Verlauf einer Paartherapie“. Zunächst informiert Jellouschek  über das Erstgespräch, danach folgt eine detaillierte Darstellung der „Elemente der Problembeschreibung“ eines Paares in der Krise. Beim „Blick auf die Gegenwart“  befasst er sich eingehend mit „dysfunktionaler Interaktion“ und „gegenwärtiger Lebensorganisation“ und hier wiederum mit „Polaritäten und Schieflagen“  (Autonomie/Bindung, Durchsetzung/ Anpassung und Geben/ Nehmen).  Anhand eines  Beispiels illustriert er die Ausgangssituation eines Paares sowei den anschließenden Therapieprozess, in dem von der persönlichen Vergangenheit des Paares einschließlich möglicher früherer Verletzungen sowie anschließend  von den „Lebensthemen“ der Herkunftsfamilien die Rede ist.  Dies alles nimmt, nicht zuletzt aufgrund des immer wieder erfolgenden Rückgriffs auf das erwähnte Beispiel,  sehr breiten Raum ein. Am Ende des Therapieprozesses steht der „Blick in die Zukunft“ mit seiner notwendigen Entscheidung: Trennung oder Neuanfang?  Zum Schluss dieses Kapitels formuliert Jellouschek  zwei sehr wichtige Gedanken: Eine erfolgreiche Paartherapie bedeutet, erstens, nicht das Ende aller Probleme und, zweitens,  nicht die Rückkehr in einen früheren (scheinbar) glücklichen Zustand.

 

Im 4. Kapitel führt Jellouschek die wichtigsten Probleme auf, die ein Paar veranlassen können (und sollten), wenn diese Konflikte immer wieder auftreten: Kommunikations-, Entscheidungs-, Alters- und sexuelle Probleme, Trennungswunsch, „Auseinandergelebt“, Untreue, Gewalt, Sucht, Schicksalsschläge etc. Immer wieder ermutigt Jellouschek Paare, die mit solchen Situationen konfrontiert sind, sich therapeutischen Rat und Unterstützung zu holen – nicht ohne immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Bereitschaft eines Paares zu Veränderungen notwendige Voraussetzung für den Erfolg einer Therapie ist und andererseits keine Wunderheilungen zu erwarten sind.

 

Was an diesem Buch besonders positiv auffällt, ist die sehr verständliche Darstellung von Zusammenhängen und Grundgedanken, die den meisten der angesprochenen Leser nicht wirklich vertraut sein dürften. Die sehr klare gedankliche Gliederung und die schnörkellose Sprache machen deutlich: Dieser Autor will von den Betroffenen verstanden werden. Und so liefert Jellouschek genau das, was der Untertitel verspricht: eine „praktische Orientierungshilfe“.  Angesichts der immer noch verbreiteten Vorurteile gegenüber allem, was „Therapie“ oder „Psycho“ im Namen hat, kann dies nur begrüßt werden.

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

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