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Jellouschek / Warum hast Du mir das angetan?

Untreue als Chance

Ein Buch über Beziehungskisten zu dritt und wie man mit viel Vernunft wieder herauskommt

 

Verlag Piper, 9. Auflage, 2007

 

Zusammengefasst von Hans Gros, 2009



Wer in Deutschland etwas mit Paartherapie zu tun hat, kennt Hans Jellouschek und als Systemiker und Baden-Württemberger weiß man, dass er seit Jahren in der Nähe von Stuttgart praktiziert und lehrt.

In Zeiten brüchig werdender Beziehungen nehmen die Beziehungsratgeber zu.
Aber Vorsicht: Dieses schmal daherkommende Taschenbuch will nicht einfach nur so gelesen, sondern muss sehr aufmerksam durchgearbeitet werden.

Es fängt im ersten Kapitel damit an, dass man sich durch drei komplexe „Dreiecksgeschichten“ arbeiten muss, wobei die Bezeichnung „Dreiecksgeschichten“ bereits erster programmatischer Punkt ist: Jellouschek führt damit eine möglichst wertneutrale Bezeichnung für das ein, was im Alltag mit „Fremdgehen“ und ähnlich wertenden Begriffen beschrieben wird und möchte es damit den Beteiligten einfacher machen, die in der Regel in solchen Situationen entstehenden Probleme neutraler zu sehen.

Diese Fähigkeit zu einer gewissen Distanziertheit muss man, ist man zum Beispiel Außenstehender oder Therapeut, bei der gesamten Lektüre schon aufbringen können. Ich vermute, als aktuell selbst verstrickter Hitzkopf hat man schlechte Karten, geht es doch dem Autor darum, klar analysierend herauszuarbeiten, warum es wann zu welcher Dreiecksgeschichte gekommen ist und aus dieser Erkenntnis heraus zu versuchen, den Weg zu der oder den Beziehungen zu finden, die sich nicht aus Affekten, sozusagen als Ergebnis einer Eruption ergeben, sondern gezielt zu entscheiden, wie und mit wem es weiter geht. Das hört sich kompliziert an und ich finde, das ist es auch. Jellouschek fächert die gängigsten Beschreibungen von Dreiecks-Konstellationen auf (moralisierend, bagatellisierend, pathologisierend, funktionalisierend. entwicklungsorientierend und als Bewältigung).

Doch der Reihe nach sollen weiterer Aufbau und Inhalt zusammengefasst werden:

Im 2. Kapitel: (Dreiecksbeziehung als Ausgleichsversuch) geht J. der Fragstellung nach, welches Ungleichgewicht zwischen den Partnern durch die Außenbeziehung ausgeglichen werden soll. Folgende Polaritäten, die in jeder Paarbeziehung eine Rolle spielen werden analysiert: Sicherheit und Erregung, Dominanz und Unterordnung sowie Nehmen und Geben. Anhand der drei Paare aus dem ersten Kapitel werden die Entwicklungen aufgezeigt, die zu Ungleichgewichten geführt haben, die wiederum nach Ausgleich strebten.

Im 3. Kapitel (Dreiecksbeziehung und Paargeschichte) werden die drei Paargeschichten an der Stelle angeschaut, an der sie jetzt angekommen sind und dabei werden die idealtypisch charakteristischen Phasen jeder Paargeschichte (Verschmelzung, Widerstand gegen die Verschmelzung, Distanz und Differenzierung, Wiederannähherung und Vereinigung auf reiferer Stufe) einzeln analysiert und nachgeschaut, welche Funktion die Dreiecksbeziehung bei der Überwindung der einen oder anderen Phase erfüllt.

Im Kapitel 4 (Dreiecksbeziehung und Herkunftsfamilie) werden (wieder) alle drei Dreiecksbeziehungen daraufhin angeschaut, welche Beziehungsmuster sich aus den Herkunftsfamilien erkennen lassen und „mitgenommen“ wurden. Hier werden typische, reinszenierte Rollen der Beteiligten (Muttersohn, Vatertochter, lieber Junge und Held) beschrieben.

Im Kapitel 5 (Lösungsversuche) werden verschiedene, denkbare Arten von Lösungsversuchen mit allen Auswirkungen sowie Vor- und Nachteilen geschildert. (Außenbeziehung abbrechen oder verheimlichen oder tolerieren, das Dreieck zum Viereck erweitern und das Dreieck offen miteinander leben.)

Im Kapitel 6 gibt Hans Jellouschek für Therapeuten, aber auch für Betroffene aus seiner langen Erfahrung Anregungen, wie im Rahmen professioneller Hilfe eine konstruktive Herangehens- und Verfahrensweise aussehen könnte und wie konstruktive Lösungen erreicht werden können. Besonders die quälenden Prozesse für alle Beteiligten und vor allem für Kinder können vermieden werden. Aber auch ein Therapeut wird gerne auf seine angebotenen Erfahrungen mit dieser Arbeit zurückgreifen, die er in folgenden Phasen verlaufend beschreibt: Entscheidungsspielraum gewinnen, das gegenwärtige Muster verstehen, Paargeschichte und Lebenszyklus miteinbeziehen, die Vergangenheit integrieren, Entscheidungen treffen. Zum Kapitelende werden dem Leser oder der Leserin noch nützliche Ideen für Abschieds-, Wiedergutmachungs- und Neubeginn-Rituale mitgegeben.

Zum Abschluss (Kapitel 7: Leidenschaft, Treue und Selbstverwirklichung) berichtet uns Hans Jellouschek, was aus den Paaren wurde. Interessant, aber was wichtiger ist, er gibt uns auch hier Tipps mit, wie Beziehungen möglicherweise auch ohne „zwischengeschaltete“ Dreiecksbeziehungen lebendig bleiben könnten. An dieser Stelle angekommen nimmt man als Leser die Anregungen denn auch voller Dankbarkeit vor dem Hintergrund des überstandenen, emotional trotz empfohlener Nüchternheit anstrengenden Textes gerne auf, wenn es denn so einfacher gehen sollte…

   
 
StIF / Stuttgarter Institut für Systemische Therapie, Beratung,
Supervision und Systemisches Coaching e.V.

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